Friday, July 27, 2007

Sum 41: Underclass Hero (Universal)

Die Vorzeichen für die neue Platte der Jungs waren nicht gerade gut. Drei Jahre, nachdem Sum 41-Gründungsmitglied Dave Brownsound die Band verlassen hatte und man sich auch noch vom Management trennte, kehrte Frontmann Deryck Whibley ins Studio zurück: "Wir standen allein da. Wir hatten die Quote gegen uns. Die Leute sagten, dass wir uns von all dem nicht erholen könnten. Es gab viele Zweifel."Die Veränderungen in seinem Leben waren für den Sänger, Songwriter und Gitarristen aber auch die grösste Quelle beim Schreiben neuer Songs: Die Abwesenheit des Vaters ("Dear Father "), Daves Ausstieg ("So Long Goodbye") oder den Frust über die Politik von US-Präsident Bush ("Confusion and Frustration in Modern Times"). Was den Style betrifft, entwickelten Sum 41 ihren explosiven Punkrock- und Heavy Metal-Mix weiter nach vorne.

Thursday, July 26, 2007

The Enemy: We'll Live And Die In These Towns (Warner)

Sie sind gerade mal 17 Jahre alt und rocken sich die Langeweile vom Leib. Immerhin rotzen sich Andy Hopkins, Liam Watts und Tom Clarke ihren Frust äusserst musikalisch von der Seele und zudem sehr erfolgreich, denn die Single "Away From Here" schnellte auf Platz 8 der UK-Charts. Das waschechte Punkfeeling von The Enemy entstand in der Ödnis der ehemaligen Industriestadt Coventry, die für den Zeitvertreib nur noch bierselige Freizeitzentren ödester Machart bietet. "Da bleibt einem nicht mehr viel, nur noch saufen oder eine Band gründen", so Sänger, Gitarrist und Frontmann Andy Hopkins. Nach nicht mal acht Monaten hatten die drei Jungs ein ganzes Album zusammen, mit dem treffenden Titel "We'll Live And Die In These Towns".

Soundtrack: Transformers (Warner)

Wie es sich für einen ordentlichen Action-Film gehört, wartet der "Transformers"-Soundtrack mit einigen Rock & Metal-Bands auf. Die Single "What I've Done" von Linkin Park, welche an die Spitze der europäischen Charts geklettert ist, wird auch in dem Sommerblockbuster "Transformers", der im August mit der nicht zu verachtenden Megan Fox in der weiblichen Hauptrolle in die Schweizer Kinos kommt, zu hören sein. In den USA hat der Film bereits am Starttag 87 Millionen Dollars eingespielt. Vertreten sind auf der Filmmusik neben Linkin Park auch HIM (deren neues Album "Venus Doom" bald erscheint), die Smashing Pumpkins, Disturbed, The Used MuteMath.

Wednesday, July 25, 2007

Smashing Pumpkins: Zeitgeist (Warner)

Sieben Jahre sind seit dem letzen ordentlichen Album der Smashing Pumpkins vergangen. Beim Hören von "Zeitgeist" ist es aber, als sei die Zeit stehengeblieben. Hier "grunget" es wie in den 90ern, als Grunge-Fans alle noch in Holzfällerhemden rumliefen. Aus deutscher Sicht ist es wahrscheinlich beruhigend zu wissen, dass die Amerikaner mittlerweile auch andere deutsche Wörter als Blitzkrieg und Kindergarten kennen. Will Billy Corgan, Mastermind und Wiedervereiniger der Smashing Pumpkins, mit der neuen Platte richtungsweisende Impulse für die Musik andeuten? Vielleicht. Davon ist auf "Zeitgeist" aber nix zu hören. Die Smashing Pumpkins klingen wie in den besten Zeiten. Was aber auch heisst, dass die Energie von früher ungebrochen auf dem neuen Longplayer zu finden ist.

Yellowcard: Paper Walls (EMI)

Seit "Ocean Avenue" aus dem Jahr 2004 schwimmen die Kalifornier auf der Erfolgswelle des emotionalen Pop-Punk (formerly known as Emo-Punk), ohne ihre eigenen Ansprüche aus den Augen zu verlieren und besonders durch den Einsatz von Sean Mackin als Violinisten für Pluspunkte in der Kreativitäts-Sparte zu sorgen. Natürlich ist auch bei Yellowcard der mundgerecht geformte melodische Punk samt Balladen-Pflichtprogramm ein Trumpf, der besonders leicht auszuspielen und vielleicht auch genau so leicht zu vergessen ist. Doch neben Skater-Punk und Hello Kitty-Girlie wird auch der genre-hoppende Musikbegeisterte mehr als ein genussvolles Ohr an "Paper Walls" verlieren. Nach dem verspielt gewagten "Lights And Sounds" und einer übersättigten Stimmung in der Band, die sie Monate lang verschiedene Wege gingen liesss, begegnet uns das neue Album mit einer erneut mitreissenden Leichtigkeit, welche dringlicher als zuletzt von Produzent Neal Avron (New Found Glory, Everclear) veredelt wurde. Es macht Spass und bleibt dabei nicht ohne zuckersüsse Raffinessen, die glücklich gewählt aus "Paper Walls" ein starkes Album machen.

Friday, July 20, 2007

Nelly Furtado: Loose - Summer Edition (Universal)

Nach der regulären Edition und der limitierten Tour Edition war es natürlich nur eine Frage der Zeit bis natürlich auch die Summer Edition der neuen Platte von Nelly Furtado erscheint. Das Album hat sich bisher so gut verkauft, dass ihre Plattenfirma gleich noch einen drauf setzt. Immerhin gibts als Bonus-Zückerli 3 spanische Versionen von "All Good Things", "In God's Hand" und "Try". Wer also immer noch keine der 3 Varianten von "Loose" hat, sollte wahrscheinlich jetzt endlich mal zugreifen, denn an eine Christmas Edition wage ich bis jetzt mal noch nicht zu glauben.

Friday, July 13, 2007

Pearl Jam: Live At The Gorge (Warner)

Wenn es eine Band gibt, die alle Rekorde bezüglich Live-Alben hält, dann möchte ich wetten es ist Pearl Jam. 2000 machten sie insbesondere dadurch Schlagzeilen, dass sie ihre gesamte (!) Tour auf CD veröffentlichten. Damit ist nicht gemeint, dass sie etwa aus jedem Konzert der Tour ein Liedchen auf CD pressten. Nein, alle 72 Konzerte der Tour wurden damals veröffentlicht. Das alleine dürfte schon die Anzahl an Live-Alben jedes anderen Künstlers übertrumpfen, ist aber längst nicht das Ende des Superlativs. Jedes (!) Pearl Jam Konzert ist mittlerweile als Download über den TenClub zu beziehen, sofern man Mitglied ist. Jetzt behaupten böse Zungen natürlich gleich, dass das die Ultimative Vermarktungsmaschine sei und überhaupt sehr verwerflich. Nunja, mitnichten würde ich behaupten. Wer so blöd ist, sich 72 Live CDs einer Tour zu kaufen hat wohl gewaltig einen an der Waffel. Aber die Möglichkeit sich eben das Konzert nochmal anzuhören, auf dem man selber war - why not? Nun, genug der Vorrede. Pearl Jam haben es wieder getan, und ein Live-Package zusamengestellt, das sich sehen (besser gesagt hören) lassen kann. Dabei haben Pearl Jam sich dieses mal sehr zurückgehalten. In der Box enthalten sind diesmal "nur" 3 Konzerte. Geradezu asketisch wurde die Auswahl der Konzerte aber bei der Location behandelt. Alle Konzerte stammen aus The Gorge, Washington. Die Shows waren alle ausverkauft (wie eigentlich immer bei Pearl Jam in den USA) und fanden am 1 September 2005, am 22. und am 23. Juni 2006 statt. Jedes Konzert ist wie gewohnt in voller Länge vertreten. Das macht dann auch eine ganze Menge Holz: Allein das erste Konzert beinhaltet 37 Tracks auf 3 CDs. Da kann man nicht meckern. Insgesamt bietet die Box "Live at the Gorge" 100 Tracks auf 7 CDs. Was das besondere ist: Während Bands wie die Rolling Stones inzwischen auf jedem Konzert mehr oder weniger exakt die gleichen Lieder spielen, schaffen Pearl Jam es, sich für jedes Konzert eine neue Setlist zu überlegen. So gibt es auch insgesamt nur wenige Songs, die doppelt gespielt wurden.

Ash: Twilight Of The Innocents (Warner)

So klingen Ash also ohne die ausgestiegene Gitarristin Charlotte Hatherley. Viel verändert hat sich da nicht wirklich. Ash machen da weiter, wo sie mit "Free All Angels" aufgehört hatten. Dazwischen war "Meltdown", sowas wie ein Experiment, mit viel Gitarre aber ohne viele Melodien. Und Melodien waren noch immer das grösste Merkmal von Ash. Nun sind sie wieder da, zu dritt in alter Frische. Einen Hit wie "You Can't Have It All" wurde seit "Burn Baby Burn" nicht mehr hingeschmettert. Auch die ruhigeren Töne werden diesmal nicht ausgelassen ("Polaris", "End Of The World"). "Dark And Stormy" könnte sich als zweiter Hit der Platte entpuppen. Und der Schlusstrack, zwar etwas untypisch für Ash, ist jedoch durchaus als Highlight der bisherigen Bandgeschichte zu bezeichnen. Bei allem Popappeal hat die Band aber auch das Rocken nicht vergessen. "I Started A Fire" macht ordentlich Tempo und ist der ideale Start. Nicht der Start zum besten Ash-Album, aber immerhin zu einem der besseren.

Thursday, July 12, 2007

No Use For A Name: All The Best Songs (Fat Wreck Chords)

No Use For A Name aus Kalifornien gehören zu den Bands, die sich auf dem Indie-Label neben NOFX, Lagwagon und den Mad Caddies wohl am besten verkauften. Das Quartett um Sänger und Gitarrist Tony Sly besteht seit 1989 und ist berüchtigt für ihren eingängigen Melodic Punk und grossen Verschleiss an Gitarristen. Nachdem die Jungs bereits ein Live-Album veröffenlichten, war es nur noch eine Frage der Zeit, bis eine Best Of-Platte folgen würde. Auf dieser finden sich satte 26 Tracks, allerdings wurde der Hammer-Song "Don't Miss The Train" schändlicherweise ausgelassen. Trotzdem lohnt sich ein Kauf für Leute, die die meisten CDs der Band noch nicht im Regal stehen haben.

Wednesday, July 11, 2007

Bad Religion: New Maps Of Hell (Phonag)

Kaum eine andere Band musste sich wohl über die Jahre so oft den Vorwurf gefallen lassen, jedes Mal dasselbe Album aufzunehmen, wie Bad Religion - was der Popularität und Relevanz des kalifornischen Punkrock-Urgesteins allerdings nie wirklich geschadet hat. Zudem besitzt man nach über 25 Jahren Bandgeschichte eine derartige Reputation, dass auf schlechte Presse ohnehin kaum noch Rücksicht genommen werden muss. Bad Religion kopieren auf ihrem aktuellen Werk "New Maps Of Hell" allerdings nicht die Platten der jüngeren Vergangenheit, auf denen in bester Hymnen-Manier die Rückkehr von Mastermind Brett Gurewitz gefeiert wurde. Die Reise in die Zeit geht weiter zurück: Klang, Aggressionsgehalt und Produktion orientieren sich an frühen Meisterwerken wie "Suffer" und "No Control". Die Band will wieder die ehemaligen Garagen-Tage aufleben lassen und wagt in Zeiten, in denen die meisten unter Punkrock eher glattgebügelten Gitarren-Pop verstehen, mehr Rotz, mehr verzerrte Gitarren, mehr Härte, ohne dabei an Eingängigkeit einzubüßen. Das verdient Respekt.

Tuesday, July 10, 2007

Sonic Youth: Daydream Nation - Deluxe Edition (Universal)

Es gibt ganz wenige Bands im Indie-Sektor, deren Output mit dem von Sonic Youth vergleichbar ist. 20 Alben brachte die Gruppe um Kim Gordon und Thurston Moore in 26 Jahren heraus. Darunter Schwieriges, aber auch Schlüsselwerke wie "E.V.O.L." (1983) oder "Dirty" (1992). Nachdem mit "Goo" vor gut einem Jahr bereits eine "Deluxe Edition" erschien, gibt's jetzt dasselbe von "Daydream Nation". Ein weiterer zielsicherer Griff in die Relevanz, den "Teenage Riot", das wohl immer noch bekannteste Lied der Band, mit der nötigen Intensität einleitet. Der US-Branchendienst "Allmusic" beurteilte "Daydream Nation" damals mit der Höchstwertung - als einziges Sonic-Youth-Album überhaupt. Und in der Tat, das 1988 erschienene Werk umfasst sehr gut, um was es der Band um Thurston Moore und Kim Gordon damals ging, womöglich heute immer noch geht: Spannungsflächen schaffen, Verbindungen zwischen Dingen entwickeln, die so nur selten verbunden wurden. Auf "Daydream Nation" ist diese scheinbare Diskrepanz eine zwischen verschiedenen Formen. Da wird ein natürlich im Wave-Kontext stehender, aber eigentlich sehr klassisch aufgebauter Popsong wie "Silver Rocket" nach der Hälfte nicht aufgebrochen, nicht zerhackt, sondern wirklich überrollt und erschossen gleichzeitig. Das klingt wahnsinnig laut, aber auch wahnsinnig gut und ist ein Punkt, den die Band auch auf "Goo" und dem folgenden "Dirty" immer wieder anzitierte. Andere Stellen nehmen schon das Ambiente voraus, das später, Ende der 90er-Jahre, für Sonic Youth noch einmal wichtig werden sollte: "Providence" ist so ein Song, charakteristisch sind hier Spoken-Word-Fetzen aus dem scheinbaren Off, eine zarte Klaviermelodie und jede Menge atmosphärischer Störgeräusche. Die "Deluxe Edition" kommt (wohl nur für Fans wichtig) mit einem unveröffentlichten Demo von "Eric's Trip" und - das ist dann durchaus von einer gewissen Allgemeinrelevanz - mit einer Bonus-CD. Denn da gibt's noch einmal das komplette Album - in Live-Versionen, also nah an dem, mit dem Sonic Youth momentan durch Europa touren.

Monday, July 9, 2007

Velvet Revolver: Libertad (Sony)

Das erste Album der ultimativen Allstar-Combo, die sich 2002 in der Besetzung Scott Weiland (ehemals Stone Temple Pilots), Dave Kushner (Gitarre, Ex-Wasted Youth), Slash (Gitarre), Duff McKagan (Bass) und Matt Sorum (Schlagzeug, alle ehemals Guns N'Roses) zusammenfand, erschien im Sommer 2004 unter dem Titel "Contraband". Der Longplayer konnte sich sofort an der Spitze der US Billboard Charts platzieren. Mittlerweile verkaufte sich "Contraband" weltweit mehr als drei Millionen Mal und erreichte US-Doppelplatin-Status. Der Song "Slither" wurde zusätzlich mit einem Grammy in der Rubrik "Best Hard Rock Performance" ausgezeichnet. Über das neue Album "Libertad" sagt Velvet-Revolver-Frontmann und -Sänger Scott Weiland: "'Libertad' hat definitiv Soul", was wir musikalisch und textlich sagen wollen, ist diesmal wesentlich klarer. In ihrem Anfangsstadium waren die Songs möglicherweise sehr persönlich, doch unter der Obhut des fünfköpfigen Biests namens Velvet Revolver wuchsen sie zu stattlicher Größe heran und beinhalten nun Wahrheiten, die überall auf der Welt Gültigkeit haben."

Friday, July 6, 2007

Chemical Brothers: We Are The Night

Wenn die Chemie stimmt können Brüder zu ausserordentlichen Leistungen fähig sein. Bei den Chemical Brothers ist das wohl der Fall und so präsentieren Tom Rowlands und Ed Simons – Brüder im Geist – auf ihrem nunmehr sechsten Album echten Club-Sound der in die Füsse geht. Anders als bei ihrem vorherigen Album "Push The Button" setzen die Chemie-Elektroniker bei ihrem neuesten Album weniger auf dröhnende Beats, als vielmehr auf eingängige, manchmal aufreibende Geräuschkulissen aus dem Synthesizer und Gesangslinien im Loop. Alles diesmal eine Spur sanfter und hypnotischer. So wird die Zeile "Do It Again" im gleichnamigen Stück satte 47 Mal wiederholt. Wer dann noch nicht schläft, kann sich an den Gastbeiträgen von Willy Mason, Fatlip von The Parcyde oder den Klaxons erfreuen. Alles in allem ein Album mit wenig Neuigkeiten aber einem Hauch back to the roots, einer nostalgischen Rückbesinnung an den Kraftwerk-Sound mit Anleihen aus der Krautrock-Ära.

Thursday, July 5, 2007

Beastie Boys: The Mix-Up (EMI)

Sonderlich glücklich war man bei Capitol Records wohl nicht, als die Beastie Boys ein komplettes Instrumental-Album ankündigten. Doch instrumental sind die Beastie Boys nicht wirklich neu, man denke etwa an "The In Sound From Way Out" aus dem Jahr 1996. Auf "The Mix-Up" arbeitet sich die Band daran nun erstmals auf Albumlänge ab. Für den sample- und rapfreien Neuling sind MCA, Mike D. und Adrock vielleicht nicht die grössten Virtuosen an Bass, Drums und Gitarre - tatkräftig unterstützt von Money Mark an den Tasten und Alfredo Ortiz an den Percussions. Entscheidend bleibt aber doch die Eigenständigkeit und Stilsicherheit der Beastie Boys, die sich auf jedem Album im Allgemeinen und in den neuesten Jam-Sessions im Speziellen manifestiert. So klingt nur die Masche der Beasties. "The Mix-Up" darf sich getrost im Loop und mit Repeatfunktion drehen, denn lässt man sich auf den Funk des Trios ein, kennt diese Platte keinen schlechten Track. Da kann man sich ausnahmsweise mal den Worten der Plattenfirma anschliessen: Die Beasties haben ein Chillout-Album vorgelegt.

Wednesday, July 4, 2007

Devildriver: The Last Kind Words (Musikvertrieb)

Wo Devildriver auf dem ersten Album noch gut durchgeholzt haben, auf dem zweiten dann holzten und musikalische Bandbreite bewiesen, wird auf dem dritten Album das perfekte Songwriting hinzugefügt. Auf "The Last Kind Words" ist wirklich alles an der richtigen Stelle, Gitarrengeplänkel wechselt sich mit straighten Riffings ab, die Drums mal geradlinig und donnernd, mal verspielt der Musik die Richtung weisend, und Dez Fafaras (Ex-Coal Chamber) Gesang immer so drohend und mitreissend, dass dieses Album einen nicht loslässt. Keine einzige Sekunde lang. Die Songs sind so verschieden wie Geschwister des gleichen Geistes es sein können, aber gleichzeitig so aufeinander abgestimmt, dass einem die Spucke wegbleibt. Ein Gewitter ohne Gleichen für die Ohren, so verspielt und abwechslungsreich, dass sich das Album quasi im Spieler festbacken könnte, und man hätte nichts dagegen.

Tuesday, July 3, 2007

V.A.: Make Some Noise - Save Darfur (Warner)

Die Situation in Darfur, Sudan ist unerträglich. Über 2,5 Millionen Vertriebene und weitere 3 Millionen Menschen, die tagtäglich dem Hungertod ins Auge blicken müssen. Um diese Missstände anzuprangern und überhaupt erst auf die Zustände in Ostafrika aufmerksam zu machen, rief Amnesty International die Kampagne Make Some Noise ins Leben. Ein großes Publikum erreicht man sicher immer mit Musik und so wurde diese auch ein zentraler Fixpunkt des Projektes. Auf der Doppel-CD „Make Some Noise: The Amnesty International Campaign To Save Darfur“ hat man nun insgesamt 28 Songs gepackt. Dabei handelt es sich nicht um irgendwelche Tracks, sondern ausschliesslich um Stücke von John Lennon. Label übergreifend haben sich über 50 Künstler (u.a. Green Day, U2, R.E.M., Snow Patrol, Ben Harper, The Cure, Avril Lavigne, Duran Duran etc.) beteiligt. Die Erlöse aus dem Verkauf gehen übrigens zu 100 % an Amnesty International. Diese werden dazu verwendet, aktiv in Darfur zu helfen. Warum nur Songs von John Lennon verwendet wurden, erklärt Amnesty International damit, „dass es besonders die Songs von John Lennon sind, die Generationen von Aktivisten dazu bringen, sich für die Menschenrechte einzusetzen, und die zahllosen Künstlern und Bands ermöglichen, die Idee einer menschlichen Welt zu verbreiten. Die Make Some Noise-Kampagne vereinigt John Lennons Vision von einer friedlicheren Welt mit den Erfahrungswerten von Amnesty International, Gerechtigkeit durchzusetzen.. Make Some Noise erlaubt es ganz normalen Menschen, Hilfe dabei zu leisten, Leben zu retten – eine Aufgabe, von der wir denken, dass sie John mit Stolz erfüllen würde.“

Andrea Corr: Ten Feet High (Warner)

12 Jahre nach dem ersten Album der Corrs, also etwa 30 Millionen verkaufte Alben später, glaubt man zu wissen, was man von Leadsängerin Andrea Corr zu erwarten hat. Doch mit ihrem ersten Soloalbum zeigt die irische Schönheit mit der klaren Stimme, dass es nie zu spät ist, noch einmal umzudenken, dazu zu lernen und noch einmal hinzuhören. Mit "Ten Feet High" schlägt sie neue Wege ein, und auch wenn der Begriff der künstlerischen Neuerfindung im Allgemeinen etwas abgenutzt wirkt - hier passt er, denn Andrea Corr gibt sich ungewohnt: Ungewohnt eigenwillig, ungewohnt frisch, ungewohnt vielfältig, ungewohnt ungewohnt. Auf "Ten Feet High" hat die Sängerin ihre kreativen Türen aufgestossen und ihre Begabung fürs Geschichtenerzählen entdeckt. Und das tut sie mit einer wunderbar wandelbaren Stimme, die man so noch nicht von ihr gehört hat.

Ohrbooten: Babylon Bei Boot (Warner)

Diese Platte dürfte auch dem Kanzalah schmecken:-) Leider konnte ich mir die Jungs am Southside Festival nicht reinziehen, da ein Sturm ihre Bühne umgemäht hatte und der Auftritt deshalb abgesagt werden musste. Ihre Spielfreude hat sich auch auf dem Zweitling "Babylon bei Boot" nicht verflüchtigt. Der "Spieltrieb" (so der Titel des Debütalbums) wuchs weiter. Die bunte Stilmischung, der Gute-Laune-Grundton und die Texte im Berliner Dialekt animieren auch diesmal unbedingt zum Kopfnicken. Mit einem Reggae-Beat etwa wird "Babylon bei Boot" eröffnet: ein Ohrbooten-Song durch und durch, mit eingängiger Hook (die sich übrigens spontan während einer Livesession entwickelte) und treibendem Rhythmus. Es ist die perfekte Einstimmung auf das, was kommt, und gleichzeitig eine musikalische Einladung, sich mit ins Boot zu setzen: "Komm an Bord, wenn wir losrudern!" Im Sound ziemlich gegensätzlich geht es orientalisch angehaucht mit viel "Bewegung" weiter. Den typischen Skabeat knallen einem Ben, Onkel, Noodt und Matze in "Kaufrausch" um die Ohren. Und das war an wilder Musikmische natürlich längst nicht alles. Wie in "Spieltrieb" sollen aber nicht nur heile Welt und Partystimmung propagiert werden (auch wenn das live natürlich am besten zieht). Die Ohrbooten halten sich nicht mit kritischen Statements zurück, lehnen sich etwa im dancehalligen "Alle gegen alle" gegen die Ellenbogengesellschaft auf und fordern zwei Tracks weiter: "Bild dir deine Meinung".

Monday, July 2, 2007

The Twang: Love It When I Feel Like This (Universal)

Es ist bei britischen Musikmagazinen längst zur Tradition geworden, junge einheimische Bands mit Superlativen einzudecken. Das war bei Franz Ferdinand so, das war bei den Arctic Monkeys so, und die Kaiser Chiefs können ebenfalls ein Lied davon singen. Jüngster Wurf dieser Entwicklung sind The Twang aus Birmingham. Das NME kürte die fünf Indie-Rocker kürzlich zum besten Newcomer und setzte sie aufs Cover. Musikalisch ist das Gespann mit seinem Debütalbum "Love It When I Feel Like This" irgendwo bei den Happy Mondays anzusiedeln. Poppig-rockige Melodien werden mit viel Arroganz vorgetragen. Manchmal verspielt, manchmal nahe am Kitsch ("The Neighbour", "Cloudy Room") und immer mit einer gewissen Attitüde versehen, der eine lässige Schnodrigkeit und jener Schalk anhaftet, den der Fuchs auf dem Cover verbreitet. Vom britischen Durchschnitts-Indie grenzen sich The Twang in erster Linie durch den Gesang ab, der stellenweise in Richtung Rap zielt. Und Sänger Phil Etheridge legt akribischen Wert darauf, die Worte bis ins kleinste Detail zu betonen und auszuspucken. Hinzu kommen die vielseitigen Melodien, die trotz auffällig viel Bombast und Verfeinerungen nie überladen wirken.

The Bravery: The Sun And The Moon (Universal)

Was waren The Bravery doch für eine geile Band, die coolen New Wave der Neuzeit spielte. Das selbstbetitelte Debut-Album zählt immer noch zu meinen Favoriten der vergangenen fünf Musik-Jahre. Mit dem neuen Longplayer "The Sun and the Moon" machen sie nun den gleichen Fehler wie die Arctic Monkeys und andere. Der Mainstream und das dicke Geld locken. Da krempelt man mal eben seine Musik um. Eines vorweg: Schlecht klingt keines der Lieder. Dafür sind die mutigen Jungs zu clever. Doch der Funke von damals will einfach nicht rüberspringen. Weniger Dunkel, mehr Pop, weniger Synthies, mehr Balladen. Dancefloor-Kracher wie "An Honest Mistake" finden sich allerdings nicht mehr. Dennoch werden die meisten Songs gute Kasse machen können. So radiotauglich waren The Bravery noch nie. Die erste Single "Time Won't Let Me Go" schaffte es bereits auf Platz 1 der Alternative-Charts bei iTunes.